Erntedankfest in Offingen

„Tank, Teller, Trog oder Tonne“

Dass die Schlüsselbranche Landwirtschaft in der Zukunft viele Herausforderungen zu meistern hat, machte die Präsidentin des Landfrauenverbandes Württemberg-Hohenzollern, Juliane Vees, mit ihrem Referat zum Kreiserntedankfest im Offinger Gasthaus „Adler“ deutlich. Unter dem Thema „Tank, Teller, Trog oder Tonne – der landwirtschaftliche Familienbetrieb zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ zeigte sie einige Schwierigkeiten heutiger landwirtschaftlicher Betriebe auf. Der Besucherandrang im „Adler“ sprach Bände: Viele wollten hören, was die Präsidentin des Landfrauenverbandes zu sagen hatte. Anhand ihres eigenen Hofes – früher ebenfalls ein klassischer Milchviehbetrieb - zeigte die in Westfalen aufgewachsene Vees auf, wie sich ihre Familie durch Spezialisierung auf Biogas und Solarenergie den heutigen Herausforderungen stellt. „Na super – eine Biogasbäuerin, werden sie jetzt denken“, meinte sie die Gedanken ihrer Zuhörerschaft lesen zu können. Dabei stellte sie klar, dass – entgegen der landläufig vorherrschenden Meinung über die Vermaisung der Landschaft –  „nur“ ein Drittel der deutschlandweiten Maisfläche von 2,57 Millionen Hektar für Biogasanlagen angebaut worden sei. Die anderen zwei Drittel dienten der Fütterung von Rindern und Schweinen. Die weltweite Ackerfläche für den Energiebedarf mache lediglich zwei Prozent aus. Seitens des Bauernverbandes würde diese Zahl als „verträgliches Maß“ angesehen.

Auch auf die Rolle der Verbraucher ging Vees in ihrem Referat ein. Sie könnten mit ihrem Einkaufsverhalten einiges ändern. Doch müsse heutzutage alles immer billiger, immer frischer und jederzeit verfügbar sein. „Billig“ sei das tragische Wort, so Vees. „Billig wird auf Dauer teuer, denn den Preis dafür bezahlen andere“, so Vees. Den Bauern würde oft die Schuld am Hunger der Menschen in Entwicklungsländern in die Schuhe geschoben, weil die Verfütterung von Getreide an Tiere kritisch gesehen wird. Dabei dürfe man weltweite Probleme in Kriegsgebieten und Missernten nicht außer Acht lassen. Auch den beträchtlichen Nahrungsbedarf von Haustieren erwähnte Juliane Vees in ihrem Vortrag. Dass an Deutschlands Haustiere rund fünf Millionen Tonnen Getreide verfüttert werden – so viel wie die Ernte aller Bauern Österreichs – sei schon beachtlich. Zur Tatsache, dass der Hauskatze „das Weihnachtsmenü auf dem Silberteller“ serviert würde, käme noch hinzu, dass rund ein Drittel aller produzierten Lebensmittel in der Tonne landeten. In Deutschland wirft jeder Einwohner jährlich Lebensmittel für rund 330 Euro weg. „Wenn wir dieses Geld in die Entwicklungshilfe investieren würden, hätten wir viel Gutes getan“, meinte Juliane Vees zu dieser Tatsache. Doch solange die Kosten für das „täglich Brot“ nur rund elf Prozent des Einkommens ausmachten, sei der Geldbeutel „scheinbar noch zu wenig belastet“.
Im gleichen Zuge, wie Kochsendungen im Fernsehen gezeigt würden, würde die Anzahl der Menschen abnehmen, die noch selbst kochen könnten. „Kochen wird heute als Küchenschlacht mit Starköchen dargestellt und spielt häufig im Alltag keine Rolle mehr“, so Vees.
Vees forderte Akzeptanz für die Arbeit der bäuerlichen Betriebe „Erst wenn die Menschen die Zusammenhänge verstehen, wächst die Akzeptanz.“ Auch Gerhard Glaser, Kreisobmann des Bauernverbandes, beleuchtete die Schwierigkeiten der landwirtschaftlichen Betriebe und wollte jedoch die Hoffnung nicht aufgeben: „Der Segen vom Bussenpfarrer ist mehr wert, als jeder Rettungsschirm.“