Neues Projekt mit Wekembe gestartet

Mit Beginn des neuen Jahres 2018 bis Ende 2020 wird ein weiteres Programm des Projektpartners Wekembe in Uganda gefördert. Es arbeitet in den Distrikten Wakiso, Mpigi, Butambala, Kampala, Mukono, Buikwe, Kayunga und Luweero. Die gesamte lokale Projektmanagement- und Organisationsstruktur beruht dabei auf den Erfahrungen und Kenntnissen des lokalen Partners. Er verfügt über eine gute Infrastruktur und gewährleistet eine umfassende Beteiligung der  Zielgruppen an den Entscheidungen. Um möglichst breitenwirksam zu sein, sind neben den Haushalten auch lokale und regionale Verwaltungen und Schulen bei der Wissensvermittlung und in der Umsetzung unmittelbarer Maßnahmen beteiligt. Außerdem werden Vertreter ausgewählter, lokaler Nichtregierungsorgaisationen (NGOSs) anderer zivilgesellschaftlicher Gruppen einbezogen.

Mit der Unterstützung soll im Wesentlichen kleinbäuerlichen und gewerblichen Familienbetrieben zu mehr Einkommen verholfen und ihre Lebenssituation verbessert werden. Gleichzeitig werden Problemkomplexe rund um den Klimawandel analysiert und Maßnahmen ergriffen, um dessen negative Folgen zu mildern.

Insgesamt sollen 12.800 kleinbäuerliche und gewerbliche Familien erreicht werden, die in 512 Selbshilfegruppen organisiert sind. Vor allem Frauen, Witwen und Waisen, die bereits in demokratisch geprägten Selbsthilfegruppen (SHGs) organisiert sind, sollen angesprochen, und als Multiplikatoren bzw. Mittler in ihre Dörfer hineinwirken. Die Erfahrung zeigt, dass die Selbsthilfegruppen für Klimaschutzaspekte und den Aufbau genossenschaftlicher Wertschöpfungsketten zugänglicher sind, als Familien, die wenig bis gar nicht organisiert unter extremer Armut leiden.

Die Selbsthilfegruppen sollen darin unterstützt werden, sich zu größeren Einheiten zusammenzuschließen, um gemeinsam zu besseren Ergebnissen, ausreichendem Einkommen und einem höheren Grad an Resilienz zu gelangen. Dazu werden über Schulungen und Exkursionen Kenntnisse vermittelt, der Aufbau genossenschaftlicher Strukturen sachkundig begleitet, kreditfinanzierte landwirtschaftliche und gewerbliche Produktionsmittel zur Verfügung gestellt, Lager- und Verarbeitungskapazitäten geschaffen, Wertschöpfungsketten aufgebaut, Wassersammeleinrichtungen erstellt und die Haushalte verbessert.

Die 512 mitgliederbasierten Selbsthilfegruppen (SHGs) in den Dörfern verfügen über eine demokratisch gewählte Leitungsebene mit jeweils einem Vorsitzenden, Kassenwart und einer Sekretärin. Begleitet werden die SHGs von sogenannten Promotoren, die von den Gruppenmitgliedern gewählt werden und eine spezielle Ausbildung in klimarelevanten Methoden erhalten. Sie arbeiten gezielt mit den Projektmitarbeitern zusammen, damit die Einzelmaßnahmen über die Gruppenstrukturen jede Projektfamilie erreichen.

Um das Einkommen zu verbessern, soll die Wertschöpfungskette, insbesondere landwirtschaftlicher Produkte, durch den Aufbau genossenschaftlicher Strukturen professionalisiert werden. Dadurch sollen die Kleinbauernfamilien als Mitglieder eine stärkere Position am Markt erhalten. Die Gewinnorientierung erfolgt einerseits durch Preissenkungen bei der gemeinschaftlichen Beschaffung von Investitionsgütern (wie Saatgut & Pflanzmaterial) und anderseits durch die marktorientierte, qualitative und quantitative Vermarktung zu höheren Preisen.

Um eine professionelle Vermarktung der mitgliederbasierten Genossenschaft zu fördern sollen im Einzugsgebiet an Hauptverkehrsadern (Kampala-Masaka Highway) drei Vermarktungszentren entstehen, wo die landwirtschaftlichen Erzeugnisse gesammelt, weiterverarbeitet und vermarktet werden. Die Gesamtkosten betragen 45.000 €.

Eine wichtige Voraussetzung für eine gewinnorientierte, gemeinschaftliche Vermarktung ist auch der Zugang zu Kapital. Nur so lassen sich Investitionen zum Aufbau einer leistungsfähigen Produktion tätigen. Zu diesem Zweck plant der lokale Träger sein Spar- und Kreditsystem auszubauen. Zielführend konzentriert sich das Projekt auf die Verbesserung von regionstypischen und lebenswichtigen, wirtschaftlichen Aktivitäten, sowie den Aufbau von Umweltfonds im betrieblichen und häuslichen Bereich. Dazu sollen sogenannte Dorfbanken auf Gruppenebene aufgebaut und verwaltet werden. Eine Dorfbank hat zwischen 15 und 35 Mitglieder.
Diese Bank vergibt revolvierende Kleinkredite für landwirtschaftliche Kleinstunternehmen, Kleingewerbebetriebe und Klimaanpassungsmaßnahmen in den Haushalten in einer Gesamthöhe von 210.000,00 EURO. Schritt für Schritt sollen Erstkredite in Höhe von durchschnittlich umgerechnet 100 EURO für die kleinbäuerlichen Familienbetriebe und bis zu 850 EURO für periurbane Klienten vergeben werden. Investitionen sollen hauptsächlich in den Bereichen Landwirtschaft und Gemüsebau, Rinder- und Schweinehaltung, Geflügelzucht, Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und deren kollektiven Vermarktung zur Gründung von Kleinstunternehmen erfolgen. Ferner soll die Gründung von Kleingewerbebetrieben unterstützt werden. Die höheren Erstkredite für Kleinstgewerbe sind auf die Art der Investitionen, wie z.B. kleine Maschinen und Rohstoffe, sowie Verpackungsmaterialien zurückzuführen, um kleine Gewerbe, wie Kerzenhersteller, Bäckereien, Seifenhersteller, metallverarbeitende Betriebe, Maismühlen, Trockenfrüchtehersteller, Saftläden, Schneidereien, Wein-, Erdnuss- Butterhersteller zu etablieren. Zusätzlich soll besonders für Frauen ermöglicht werden, Anlagevermögen für ihre Unternehmen auf Kreditbasis zu erwerben. Weitere Kredite sollen für nicht einkommenswirksame Maßnahmen, wie für erneuerbare Energien, Wassersammeleinrichtungen, Herstellung gepresster Ziegel zum Häuserbau, Energieeffizienzöfen, ländliche Elektrifizierung, landwirtschaftliche Produktionsmittel zu Ernährungssicherung und die Verbesserung des sozialen Umfelds der Familien bereitgestellt werden.

Zur Aus- und Weiterbildung der ländlichen Bevölkerung, insbesondere von Führungskräften in den Dörfern, sollen Demonstrationsanlagen für regional angepasste Technologien aufgebaut werden, um den Klimawandel entgegenzuwirken. Konkret geht es hier um regenerative Technologien (dezentrale Solar- und Biogaslösungen), Niedrigkosten und ressourcenschonender, umweltverträglicher Häuser- und Wasserbau (lokal angepasste Ziegelherstellungstechnologie), Energieeffizienzöfen, sowie klimaverträgliche Landwirtschaft durch Maßnahmen, wie den Aufbau von lokalen indigenen Saatbanken, Agroforstwirtschaft und Baumanpflanzung, Boden-und Wasserkonservierung, Zugang zu sauberem Wasser oder angepasster und emissionsarmer Anbau. Dafür sollen Projektmittel in Höhe von 43.000 EURO bereit gestellt werden.

Ferner sollen Projektgruppen weiterer am Projekt beteiligter Akteure in der Entwicklung und Umsetzung von klimarelevanten Begleitmaßnahmen begleitet und geschult werden. Dabei geht es um Projekte oder Programme, inkl. dem Zugang und Management von Mitteln und Instrumenten der Umwelt- bzw. Klimafinanzierung, durch ausgearbeitete, umsetzbare und finanzierbare Projektkonzepte, unter Einbindung der lokalen Privatwirtschaft

Dieses zivilgesellschaftliche Engagement ist notwendig, um die von der ugandischen Regierung zusammen mit internationalen Gebern in den letzten Jahren auf politischer Ebene eingeführten Rahmenrichtlinien zum Klimawandel und deren entsprechenden Programme in den Dörfern gezielt umzusetzen. Jedoch scheiterten sie in der Praxis auf lokaler Ebene, weil die wenig ortsangepassten Strategien von der Zivilgesellschaft in einem kleinbäuerlich geprägten ländlichen Raum nicht umsetzbar und zu kostenintensiv waren. Ebenso vermisste die Zielgruppe den Nutzen für ihre soziale und wirtschaftliche Entwicklung zur Armutslinderung in ihren Dörfern. Dieses Ergebnis wurde ebenfalls in einer von der Trägerorganisation durchgeführten Klimakonferenz in 2016 deutlich, an denen Vertreter der relevanten Ministerien (Landwirtschaft und Umwelt) und staatliche Umweltorganisationen teilnahmen.

Auch für eine effieziente Kontrolle der Projektarbeit ist gesorgt. So soll auf Projektebene ein Projektdurchführungsausschuss (PIC) gebildet werden, der die ordnungsgemäße Durchführung sicherstellt. Der PIC setzt sich aus Projektverantwortlichen und Vertretern anderer NGOs und Entscheidungsträgern aus den jeweiligen Fachdisziplinen zusammen und trifft sich zu vierteljährlichen Sitzungen.