Zusammen für Vielfalt, weil wir alle Menschen sind.

Juliimpuls

Als Jugendliche hatte ich noch ein Gottesbild in mir getragen welches eher den strafenden Gott gezeigt hat und eine Kirche die wenig Raum für Vielfalt zuließ. Ein Gott der mich nur liebt, wenn ich mich richtig verhalte, war mir suspekt.

Einige Jahre später durfte ich in einer bunten und vielfältigen katholischen Seelsorgeeinheit die Erfahrung machen, dass Gott mich bedienungslos liebt. Für mich ist dies eine ungeheure Zusage. Ich darf ich sein, mich selber lieben und annehmen mit meinen Stärken aber auch mit meinen Grenzen.

Zu der Frage, wer ich bin, gehört für mich aber auch die Freiheit fühlen zu dürfen, wer ich bin und wie mich Gott geschaffen hat. „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft…und deinen Nächsten – wie dich selbst!“ (Markus 12,30–31 ). Und wir wissen alle, nur wer sich selbst lieben kann und darf, kann auch Liebe schenken. Das verdeutlicht, dass in der Gottesliebe Platz für alle Menschen ist, unabhängig von Herkunft, Geschlecht und sexueller Orientierung.

Ich freue mich sehr, Teil der Laufgruppe der katholischen Kirche beim diesjährigen CSD in Stuttgart sein können um die wunderbare Vielfalt Gottes feiern zu dürfen. Denn Vielfalt ist ein Segen und kein Problem.


Sarah Faris Bibawi

Mitarbeiterin des Verband Katholisches Landvolk e.V.


 

 Foto von Heiko Hauger 

Seit Anfang des Jahres haben wir auch in unserer Diözese Rottenburg-Stuttgart einen Fachbereich „Queersensible Pastoral“. Nachfolgend lesen Sie einen Impuls von unserem Referent Heiko Hauger:

In mehr als 120 Orten in ganz Deutschland finden dieses Jahr CSDs statt. Menschen stehen solidarisch zusammen, zeigen Präsenz, kämpfen für die Rechte queerer Menschen und feiern Vielfalt. Beim Empfang der Landesregierung zum CSD hielt Sozialminister Manfred Lucha ein Plädoyer für den Einsatz für queere Menschen und ihre Rechte. Er zitierte Hannah Arendt mit dem Satz: „Das Wesen der Politik ist die Freiheit.“ Wie zerbrechlich diese Freiheit ist und damit die Demokratie, zeigt sich derzeit allzu deutlich. Die Rechte queerer Menschen sind weltweit in Gefahr bzw. es gibt Versuche, das Rad wieder zurückzudrehen. Die Gewalt- und Straftaten gegenüber queeren Menschen nehmen auch in Deutschland wieder zu.

Wo Freiheit in Gefahr kommt, sind wir alle aufgefordert, unsere Stimme zu erheben. „Nie wieder still! Laut für Freiheit, stark für Vielfalt“ lautet das Motto des Stuttgart Pride. Freiheit fällt nicht vom Himmel. Sie entsteht dort, wo Menschen sich zeigen – mit ihrer Geschichte, ihrer Liebe, ihrem Glauben, ihrer Identität. Dort, wo Vielfalt nicht versteckt werden muss. Und sie bleibt nur lebendig, wenn wir sie miteinander schützen und füreinander einstehen.

Gerade als Christ:innen glauben wir an die Würde jedes Menschen – nicht erst, wenn es der Mehrheit gefällt. Wer Jesus folgt, folgt einem Menschen, der an den Rändern stand. Der sich nicht weggeduckt hat, wenn Ausgegrenzte Schutz brauchten. Der nicht schwieg, wenn andere geschwiegen haben. „Wenn diese schweigen, werden die Steine schreien" (Lk 19,40). Dieser Satz aus der Lukaspassion steht im Zentrum des ökumenischen Gottesdienstes direkt vor der Parade. Der BDKJ lädt dazu ein. Junge Katholik:innen waren unter den Ersten, die beim CSD als kirchliche Gruppe Flagge zeigten und die queere Community in ihren Anliegen unterstützen.

Wenn wir als Kirche beim CSD Gesicht zeigen, geht es nicht „nur“ um queere Rechte. Es geht um unsere Demokratie. Es geht um die Freiheit, so zu leben, wie Gott uns gemeint hat. Und es geht um Verantwortung: Denn Freiheit ist brüchig.

Wenn wir schweigen, bricht sie;

wenn wir zuschauen, wird sie kleiner.

wenn wir uns verstecken, verschwindet sie.  

Wir feiern die Vielfalt Gottes und schützen damit die Freiheit, die Gott uns geschenkt hat.

Wir setzen uns mutig, bunt und entschlossen ein für eine Gesellschaft und für eine Kirche, in der alle Platz haben.  


Foto von unsplash von Raphael Renter