Wie ein Stolpern den Blick veränderte

Juniimpuls 2026

Kürzlich lief ich mit meiner Frau den „Sentiero Blu“ rund um den Mergozzosee in Oberitalien. Ein Teil des Weges war ein alter Hirtenpfad der früher die einzelnen Höfe und Hütten am Hang miteinander verbunden hatte – quasi die Autobahn der vergangenen Jahrhunderte. Zunächst faszinierte uns die wundervolle Aussicht auf den See, den Ort Mergozzo, den nahe gelegenen Lago Maggiore und die weiß gepuderten Spitzen der nördlich gelegenen Alpenkette. Die uns umgebende Natur nahm uns in ihren Bann. 

Dann stolperte ich plötzlich ein wenig an dem unregelmäßigen Natursteinbelag und richtete meinen Blick auf den Hirtenpfad, der nun begonnen hatte. Nun war Konzentration angesagt. Die unbehauenen Natursteine auf dem Weg erforderten viel mehr Aufmerksamkeit als der bisherige Weg. Mit dem ständigen Blick auf den Weg trat der See und die Landschaft spürbar in den Hintergrund. Das Laufen gewann nun fast etwas Meditatives. Welche Mühsal hatten sich die damaligen Menschen gemacht, diesen Pfad anzulegen. Wieviel Zeit war notwendig, wieviel Steine mussten herangeschleppt werden, ein Pfad musste zunächst im steilen Gelände herausgearbeitet werden. Die Eselskarren holperten sicher kräftig, aber sie rutschten nicht mehr ab oder versanken in morastartigem Untergrund, der durch die kleinen Gebirgsrinnsale und Quellen entsteht. Manchmal waren Muster zu erkennen, meist lagen die Steine aber scheinbar wahllos, von etwas flacheren Steinplatten am Wegesrand eingefasst. Kein Stein wie der andere – so individuell wie wir Menschen. Und doch – zusammen geben sie einen Weg, der für die früher dort lebenden Menschen für die tägliche Arbeit und Versorgung wichtig und gut war. Heute dient er unserem Zeitvertreib! 

So laufe ich grad Schritt für Schritt und achte kaum auf das Drumherum. Viele Gedanken gehen mir dabei durch den Kopf. Geht es uns oft nicht auch oft so im Leben: eigentlich haben wir uns etwas vorgenommen, doch plötzlich erfordert etwas ganz anderes unsere volle Aufmerksamkeit. Wählen wir also sehr bedacht unsere Schritte, schätzen das, was andere für uns geschaffen haben und nehmen wir die Veränderungen und Herausforderungen des täglichen Lebens an. Unser Glaube an Gott mag uns dabei begleiten.

Herzliche Grüße

Georg Beetz

Vorstandsmitglied Verband Katholisches Landvolk e.V.