In meinem Theologiestudium wurde das Buch von Boethius „Trost der Philosophie“ behandelt. Geschrieben hat er es im Gefängnis – in der Erwartung seines Todes. Gerade deshalb berühren mich seine Gedanken bis heute.
Boethius stellt eine einfache und zugleich unbequeme Frage: Worauf gründet sich unser Glück?
Seine Antwort lautet: Nicht auf das, was wir besitzen. Nicht auf Erfolg, Ansehen oder Macht. Denn all das kann uns genommen werden. Wahres Glück wächst von innen. Es entsteht dort, wo ein Mensch lernt, das Gute zu suchen und seinen Charakter zu formen.
Ich teile nicht jede seiner theologischen Überzeugungen. Mein Verständnis von Gottes Handeln und der Freiheit des Menschen unterscheidet sich von dem des Boethius. Dennoch staune ich darüber, wie viel Kraft er aus seinem Glauben schöpfte. Ein Mensch, dem fast alles genommen wurde, spricht von einem Glück, das ihm niemand rauben kann.
In der Bergpredigt spricht Jesus schon über die Inneren Werte und Prioritäten des Menschen. Er fordert uns nicht auf, unser Glück im Besitz oder im Erfolg zu suchen, sondern in der Gemeinschaft mit Gott. „Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz“ (EU Mt 6,21).
Vielleicht ist das eine der größten Herausforderungen unseres Glaubens. Wir leben in einer Welt, die uns ständig einredet, wir müssten nur noch etwas erfolgreicher, gesünder oder beliebter sein, um glücklich zu sein. Unser Wert hängt aber nicht davon ab, was wir leisten, und unsere Hoffnung gründet nicht auf dem, was wir festhalten können. Sie gründet sich auf Gott, dessen Liebe uns trägt – auch dann, wenn Sicherheiten wegbrechen.
Mich bewegt dabei noch ein weiterer Gedanke: Menschen können in manchen theologischen Fragen zu unterschiedlichen Überzeugungen kommen und dennoch dieselbe Sehnsucht teilen. Die Sehnsucht nach einem Leben, das nicht an der Oberfläche bleibt. Nach einem Glück, das tiefer reicht als Erfolg und Scheitern. Nach einem Frieden, den die Umstände nicht zerstören können.
Vielleicht lohnt es sich, heute einmal innezuhalten und sich zu fragen:
Worauf gründet sich mein Glück?
Auf Dinge, die vergehen? Oder meine innere Haltung und das Wissen, dass Gott in mir wohnt und bleibt?
Herzlichts,
Sarah Faris Bibawi
Mitarbeiterin Verband Katholisches Landvolk e.V.