Studie der KLJB:

Bildung und Infrastruktur - Chancen des ländlichen Raumes

Landjugendliche leben gerne auf dem Land. Sie leben gerne in einer Dorfgemeinschaft und engagieren sich in örtlichen Vereinen (74,5%). Sie schätzen die gelebte Tradition und genießen den Freiraum des ländlichen Raumes. Das sind wesentliche Ergebnisse der Studie „Wir sind nicht die Dummen“ Bildung und Infrastruktur - Chancen des ländlichen Raumes, die der KLJB Diözesanverband Rottenburg-Stuttgart unter seinen Mitgliedern von 2010 bis 2012 mit wissenschaftlicher Begleitung durchgeführt hat. Dabei wurden die Wahrnehmungen der befragten Jugendlichen zu ihrer Bildungswelt und ihren infrastrukturellen Möglichkeiten erfasst und daraus konkrete Forderungen abgeleitet.

Die Studie ergab auch, dass es im ländlichen Raum an ausreichenden Bildungs- und Berufsmöglichkeiten fehlt, so dass viele Jugendliche den Wohnort verlassen. Nahezu die Hälfte der Landjugendlichen ist mit den Bildungs- und Berufs-möglichkeiten des ländlichen Raumes unzufrieden und geht Kompromisse ein.

Landjugendliche wenden im Schnitt circa 50 Stunden in der Woche für die Schule,die Ausbildung oder das Studium auf. Inklusive Fahrt verbringen sie davon durchschnittlich 41,2 Stunden in der Schule, bei der Ausbildung oder dem Studium. Zu Hause lernen sie zusätzlich noch circa 7,9 Stunden. Diesen Zeitaufwand halten die Jugendlichen für zu hoch! 86,5% der Jugendlichen wünschen sich mehr freie Zeit. Insbesondere Jugendliche, die das G8 besuchen empfinden einen Zeitmangel. So sind Schüler des G9 fast doppelt so aktiv (59%) in der KLJB engagiert als Jugendliche des 8-jährigen Gymnasialzuges (knapp 30%).

Fast die Hälfte der Landjugendlichen (49,2%) nutzen den Bus um in die Schule, zur Ausbildungsstelle oder zur Arbeitsstelle, zu gelangen. Zu ihrer Freizeitstätte kommen die meisten Jugendlichen selbstmotorisiert (Auto, Roller, zu Fuß oder mit dem Fahrrad). Öffentliche Verbindungen sind also nicht geeignet, um damit außerhalb der Schulzeiten - beispielsweise am Abend oder am Wochenende – zur Freizeitstätte zu gelangen.

Ehrenamtliches Engagement hat Einfluss auf die persönliche und soziale Entwicklung. Über 60% der Landjugendlichen gehen davon aus, dass es ihnen aufgrund ihres ehrenamtlichen Engagements in der KLJB leichter fällt, auf andere Menschen zuzugehen. Beinahe 50% äußern, dass sie nun besser mit Kritik umgehen können und die Meinung anderer leichter akzeptieren. Den Jugendlichen fällt es leichter, vor Gruppen zu sprechen, ihre Meinung zu äußern und gegebenenfalls auch durchzusetzen. Dies sind alles wichtige Eigenschaften, um im beruflichen sowie im privaten Leben erfolgreich zu sein. Alarmierend dabei ist, dass sich 40,3% der Jugendlichen mehr Zeit für ehrenamtliche Tätigkeiten wünschen.

Aus dieser Bestandsanalyse fordern die Jugendlichen, dass:

  • Schulen im ländlichen Raum erhalten bleiben und nicht weiter zentralisiert werden und Landespolitiker sowie Gemeinden sich für den Erhalt von kleinen Schulen aller Schulformen im ländlichen Raum einsetzen.
  • Gemeinden und ihre Einwohner sich für die Ansiedlung und Erhaltung attraktiver Arbeits- und Bildungsstätten öffnen, um Arbeits- und Karriere-möglichkeiten für Jugendliche auf dem Land dauerhaft attraktiv zu gestalten.
  • der 8-jährige Gymnasialzug kritisch überdacht wird.
  • dass die Mobilität in der Freizeit der Jugendlichen gestärkt wird. Kreative Ideen wie zum Beispiel Gemeindebus, Carsharing, Mitfahrzentrale, Rufbus oder Sammeltaxi sollen von Kirchengemeinderat und Gemeinderat, Kommunalpolitikern, Landespolitikern und Personenbeförderungsunter-nehmen unterstützt und gefördert werden.
  • Arbeitgeber, Schulen, Hochschulen und Familien Freiräume schaffen und unterstützen für das ehrenamtliche Engagement der Jugendlichen
  • ehrenamtliches Engagement und die Bedeutung außerschulischer Bildungsarbeit in der Öffentlichkeit verstärkt herausgestellt wird.

    Die Studie, sowie das Positionspapier finden Sie hier