Ausgabe 06/2017

Ausgabe 06/2017

In dieser Ausgabe:

In Caring Communities füreinander sorgen

Tagung des VKL wurde begeistert aufgenommen

Mit 50 Teilnehmern haben wir gerechnet, 80 wären gut gewesen, aber dass an einem Montag 100 Menschen zu einer Fachtagung zum Thema „Caring Communities“ nach Rosenberg kommen, hat vor allem die Organisatoren im VKL, Klaus Köhle und Wolfgang Schleicher positiv überrascht. Teilgenommen haben aktive Bürger, Bürgermeister, Kirchenvertreter und Menschen aus sozialen Organisationen, um sich mit einem Thema zu befassen, dass so alt ist wie die Menschheit: Füreinander sorgen. Was ist daran so neu und so interessant, dass dieses Thema auf so großes Interesse stößt? Die Antwort lautet, es geht um das ganz konkrete „Wie“, also um die strukturelle Umsetzung vor Ort in Dörfern und Kommunen vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung.

Zu Beginn lenkten die Referenten, Ordinariatsrat Dr. Joachim Drumm und Prof. Dr. Otmar Seibert von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf die Aufmerksamkeit auf die Ausgangslage im ländlichen Raum. Die Abwanderung junger Menschen in die Metropolen habe nicht nur persönliche Gründe, sondern auch politische, erläuterte Prof. Seibert. So seien 1995 elf Metropolregionen um Großstädte herum gefördert worden, in der trügerischen Hoffnung, dass boomende Metropolen den ländlichen Raum automatisch ebenfalls befördert würden. „Genau das Gegenteil ist  eingetreten: Junge Menschen zieht es in die Großstädte“, kritisierte der Experte, der auch das Bildungswesen unter die Lupe nahm. Statt Schüler individuell zu fördern seien zahlreiche Gymnasien zu akademischen Durchlauferhitzern für die Universitäten geworden, während dem ländlichen Raum die Fachkräfte ausgingen.

Politisch ging weiter mit der Vizepräsidentin des Landtags in Baden-Württemberg, Brigitte Lösch, die vor allem die Möglichkeiten erläuterte, die sich aus Wohn-,Teilhabe und Pflegegesetz (WTBG) ergeben, das auch kleinere Wohneinheiten für Senioren ermöglichen Vorsitzende SPES Zukunftsmodelle e.V., Freiburg zusammen mit Gemeinderätin Ute Kölbel u. Vertreterinnen von Für -Einander, Hermaringen ganz konkret stellten. Aber nicht nur gute Konzepte garantieren Erfolg, sondern auch eine solide Finanzierung. Diesen Themen stellten sich Rolf Seeger von der Bischof-Moser-Stiftung, Wolfgang Schleicher, Geschäftsführer des VKL zusammen mit Janine Blistle und Dr. Miriam Freudenberger.

Der Markt der Möglichkeiten mit zahlreichen Praxisbeispielen bot den Teilnehmern viel Raum für den Austausch und das Knüpfen von Kontakten. Die Tagung gab nicht nur Anstoß dazu, sich auf den Weg zu machen, sondern bot auch viele Anregungen und neue Kontakte für diejenigen, die bereits auf dem Weg sind, das zu tun, was so alt ist, wie die Menschheit selbst: Füreinander zu sorgen. Alle Vorträge  finden Sie im Internet unter www.landvolk.de

 

Müde Füße gestärkter Geist

Die diesjährige Fußwallfahrt nach Flüeli vom 31. Juli bis 15. August war ein tief bewegendes Ereignis für die Teilnehmer. Weil der geistliche Begleiter, Landvolkpräses Paul Notz, die Gottesdienste in erster Linie als Austausch von Glaubenserfahrungen gestaltet hatte, konnte sich jeder, der das wollte, sehr persönlich einbringen und von den Erfahrungen der anderen profitieren. Die Wallfahrten sowohl zu Fuß als auch per Bus stellen Höhepunkte im Jahresprogramm des Landvolks dar, und stehen nicht nur bei vielen VKL-Mitgliedern als fester Termin in Jahreskalender. 

Die Landvolkgruppe Eberhardzell-Mühlhausen hatte sich richtig ins Zeug gelegt um am 3. Oktober für fast 100 Landvolkmitglieder und Freunde ein tolles Programm auf die Beine zu stellen. Nach einem Auftakt mit Kaffee und Brezeln und einem feierlichen Eröffnungsgottesdienst begrüßte Bürgermeister Grabherr die Gäste des Landvolks in seiner Gemeinde. Nach dem allseits gelobten Mittagessen stand ein Besuch auf dem Kürbishof der Familie Spieler am Ampfelbronn auf dem Programm. Die Führung war so interessant für alle, dass sowohl das Kaffeetrinken um 15.30 Uhr als auch die anschließende kulturelle Darbietung etwas warten mussten. Nichts desto trotz erfreuten sich alle an dem Auftritt der Trachtengruppe D´Schloßseer aus Waldsee und deren Begleitung durch den Mundartkünstler Barny Bitterwolf. Für ihn durften zwei Vorstandsmitglieder als Tisch fungieren. „Auch ein Tisch kann ein freundliches Gesicht machen“, war der Kommentar des Künstlers.

Während für die meisten Teilnehmer das Programm am Abend endete, fuhren die 45 Gäste aus dem Norden der Diözese Gruppe weiter zum Kloster Reute, um von dort am nächsten Tag einen Abstecher zum Bussen, dem heiligen Berg Oberschwabens zu machen, wo Pfarrer Menrad in seinem Gottesdienst zahlreiche Parallelen zwischen dem Bussen und der Heimat der Gäste finden konnte. Der Landvolkbegegnungstag findet einmal im Jahr statt und erfreut sich großer Beliebtheit.

 

Beschwerde hatte Erfolg

Das Europäische Patentamt (EPA) hat ein 2007 erteiltes europäisches Patent auf Milchkühe  widerrufen. Das Patent umfasste Verfahren zur Züchtung von Kühen als auch die gentechnische Veränderungen von Milchkühen, die eine höhere Leistung erzielen sollen. Patentgegner hatten Einspruch erhoben wegen der Befürchtung, dass durch Patente im Bereich der Tierzucht neue Abhängigkeiten von großen Konzernen entstehen und eine schleichende Enteignung der Landwirte stattfindet.

Die Entscheidung ist ein Erfolg für den Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), MISEREOR, das Gen-ethische Netzwerk (GeN), die „Initiative Kein Patent auf Leben!“, dessen Arbeit der VKL aktiv unterstützt, und Greenpeace, die vor acht Jahren gemeinsam Einspruch gegen das Patent eingelegt hatten. Die Europäischen Patentgesetze verbieten Patente auf Tierarten und auf Verfahren zur Zucht von Tieren. Dennoch werden derartige Patente immer wieder erteilt. Das EPA legt Verbote immer wieder so aus, dass diese wirkungslos bleiben. Auch mit dem aktuellen Erfolg ist das Problem daher noch nicht vom Tisch.

„Bäuerinnen und Bauern klagen seit Jahren gegen Patente auf Pflanzen und Tiere und erringen auch immer wieder wichtige Erfolge“, sagt Thorsten Sehm, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Milchviehhalter. „Währenddessen bleibt die Politik aber weitgehend untätig. Die Folge: Es werden immer wieder neue Patente auf die Zucht von Tieren und Pflanzen erteilt, weil das Patentamt mit seiner rechtswidrigen Gesetzesauslegung nicht gestoppt wird.“ Die Milchbauern sorgen sich darum, dass sie nach drastisch sinkenden Milchpreisen auch noch durch Patente beim Verkauf von Zuchttieren behindert werden.

Das EPA hatte Ende März mit der Entscheidung, dass auch Pflanzen und Tiere aus konventioneller Zucht als patentierbar gelten, ein alarmierendes Zeichen gesetzt. Erst im August erhielt der Schweizer Konzern Syngenta ein weiteres Patent auf konventionell gezüchtete Tomaten. Die Bundesregierung will zwar laut Koalitionsvertrag gegen diese Patente vorgehen, doch bisher gibt es von den zuständigen Ministern Heiko Maas (Justiz, SPD) und Christian Schmidt (Landwirtschaft, CSU) keine deutlichen Initiativen. Das Bündnis „Keine Patente auf Saatgut!“, das auch die einsprechenden Verbände unterstützen, hatte schon vor Wochen gefordert, dass die Bundesregierung über den Verwaltungsrat des EPA eine neue Rechtsauslegung initiieren sollte. Der Verwaltungsrat ist das politische Kontrollgremium des EPA, in ihm sitzen die Repräsentanten der Mitgliedsländer. Ein entsprechender Aufruf wurde inzwischen von über 30.000 BürgerInnen und etwa 200 Organisationen unterzeichnet. Doch bisher blieb die Bundesregierung weitgehend untätig.

Das Patent hat die Nummer: EP1330552
Den Text des Patentes und des Aufrufs finden Sie verlinkt unter www.landvolk.de