Ausgabe 03/2015

Ausgabe 03/2015

In dieser Ausgabe:

Eine neue Sichtweise üben!

Über 70 Delegierte tagten in Mühlhausen

Mehr als 70 Delegierte vom Verband Katholisches Landvolk (VKL) tagten am 27. März in Mühlhausen

 „Internationale Zusammenarbeit ist ein echter Friedensdienst. “ Mit diesen Worten blickte der Vorsitzende des VKL, Johannes Sauter, bei der Delegiertenversammlung am Sonntag, 22. März in der Sport- und Festhalle Mühlhausen, auf ein vor allem durch die internationale Arbeit geprägtes Jahr zurück. Über 70 Delegierte aus der gesamten Diözese Rottenburg-Stuttgart waren dazu ins schwäbische Oberland gekommen. Johannes Sauter dankte allen, die im April 2014 den Besuch einer argentinischen Partnergruppe nicht nur möglich, sondern unvergesslich gemacht hatten. Insgesamt sei der Verband mit seinen Diensten in der Landwirtschaft, der Landwirtschaftlichen Familienberatung (LFB) und dem Familienhilfsdienst (cura familia) sehr gut aufgestellt, so Johannes Sauter.

Das Einüben einer neuen Sichtweise oder einen „Blickwechsel“ auf Kirche und Gesellschaft forderte am Nachmittag der Leiter der Hauptabteilung Kirche und Gesellschaft der Diözese Rottenburg Stuttgart, Dr. Joachim Drumm. In seinem Vortrag zum Thema „Land.Leben.Glauben“ sagte er: „Es ist wichtig, die eigene Lebenswirklichkeit besser in den Blick zu nehmen.“ Häufig werde der Begriff Kirche zu sehr vom Amt her gesehen. „Kirche bilden alle getauften und gefirmten Christen, auch die die nicht an Gottesdiensten teilnehmen oder sich ehrenamtlich engagieren“, so der Referent. Unter diesem Blickwinkel würde für die Kirche ein großes Potential sichtbar. Wesensmerkmal der Kirche sei, dass sie eine ex-zentrische Hoffnungs- und Erinnerungsgemeinschaft ist. Ex-zentrisch meint hier - wie Drumm ausführlich erläuterte - positiv, dass die Kirche ihr Zentrum nicht in sich, sondern außerhalb ihrer selbst hat, nämlich in ihrem göttlichen Ursprung und in den Menschen zu denen sie gesandt ist. Sie ist eine Gemeinschaft, die aus Erinnerung eine Hoffnung in sich trägt, von der sie um der Hoffnungslosen willen Zeugnis zu geben hat. Dieser Blickwechsel setzt einen Gegenakzent gegen eine allzu starke Beschäftigung der Kirche mit sich selbst. Kirche ist dort bei sich selbst, wo sie Hoffnung stiftend über sich hinausweist auf Gott und wo sie sich hinwendet zu den Armen dieser Welt.

In Kirche und Ehrenamt gebe es mehr kreatives Potenzial als gemeinhin angenommen werde, so der Referent. So entwickle sich beispielsweise das Kloster Heiligkreuztal, zu einem Zentrum des Austauschs guter Ideen und neuer Konzepte für ländliche Entwicklung. Die kommunalpolitischen Themen, die dort regelmäßig erörtert würden, veränderten auch die Kirche vor Ort. Die Frage nach der Zukunft der Dörfer sei auch eine Frage von Seelsorge und damit ein Thema für die Kirche. Daher sei es „toll, dass der VKL dieser Frage nachgeht“, so Dr. Joachim Drumm in seinem offenen und engagierten Vortrag.

„Um eine neue Sichtweise zu üben, können uns auch die Heiligen der Kirche unterstützen,“ sagte Landvolkpfarrer Paul Notz im feierlichen Eröffnungsgottesdienst. Insbesondere die Schutzpatronin der Pfarrkirche Mühlhausen, die Heilige Ottilie könne - der Legende nach -  jeden dabei unterstützen, der sie darum bitte.

Und nicht nur der Segen des Pfarrers und der Heiligen begleitete die Delegierten durch den Tag, sondern auch die Grüße und guten Wünsche von Bürgermeister Hans-Georg Maier, der Vorsitzenden der Katholischen Landfrauen, Bärbel Kräutle, dem Vizepräsidenten des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg, Gerhard Glaser und dem Bundestagsabgeordneten und Landvolkmitglied, Josef Rief. Besonders aber der Sportverein Mühlhausen trug mit einer hervorragenden Beköstigung zum Gelingen der Veranstaltung bei.

Goldene Ehrennadel für Karl Stützle
Das Ehrenamt zu würdigen ist und war dem VKL immer ein großes Anliegen. So dankte der Vorstand Karl Stützle aus dem Dekanat Saulgau für seinen langjährigen Einsatz und überreichte ihm die Verdienstmedaille des VKL in Gold. Ein besonders großes Anliegen sind Karl Stützle neben anderen Themen die Hofübergabe-/Hofauflösungsseminare, die er er regemäßig organisiert und die schon vielen Betroffenen geholfen haben. Karl Stützle ist einer derjenigen, die kirchliches und gesellschaftliches Engagement miteinander verbinden und leben: Bis vor wenigen Jahren war er auch Ortsvorsteher und Kommunalpolitiker.

 

Widersprüchliche Entscheidung

Zunehmende Monopolisierung befürchtet

Patente auf konventionell gezüchtete Pflanzen und Tiere auch in Zukunft möglich

Das Europäische Patentamt (EPA) hat endgültig über die Patente auf Tomaten und Brokkoli entschieden: Patente auf Pflanzen und Tiere, die konventionell gezüchtet sind, dürfen weiterhin erteilt werden, obwohl laut Gesetz die Patentierung von Verfahren zur konventionellen Züchtung verboten ist. Diese aus Sicht der Patentgegner widersprüchliche Entscheidung ist eine seit langem erwartete Grundsatzentscheidung. Die internationale Koalition Keine Patente auf Saatgut!, die auch der VKL unterstützt, kritisiert diese Entscheidung scharf. Die Organisationen befürchten jetzt eine zunehmende Monopolisierung der Tier- und Pflanzenzüchtung.

„Das EPA hat den Weg für Konzerne wie Monsanto und Syngenta geebnet, die Kontrolle über die Grundlagen unserer Ernährung zu übernehmen. Wir fordern die europäischen Regierungen auf, jetzt politisch Druck auf das Europäische Patentamt auszuüben, um diese Praxis sofort zu stoppen“, sagt Christoph Then, Koordinator des Bündnisses „Keine Patente auf Saatgut!. „Konzerne dürfen kein Monopol auf Sonnenlicht, Luft oder Wasser haben und ebenso wenig auf die Grundlagen der Landwirtschaft und Lebensmittelherstellung.“

Obwohl die deutsche Bundesregierung sich laut Koalitionsvertrag für ein europaweites Verbot der Patentierung von konventionell gezüchteten Pflanzen und Tieren einsetzen will, ist sie bislang untätig geblieben. Auf Anfrage hatte das zuständige Justizministerium mitgeteilt, dass man erst diese Entscheidung abwarten wolle. „Dieses Problem darf die Regierung nicht länger aussitzen. Wir appellieren an den zuständigen Bundesjustizminister Heiko Maas, jetzt so rasch wie möglich eine Initiative im Verwaltungsrat des Europäischen Patentamtes zu starten. Das EPA, das von der Industrie für die Erteilung von Patenten bezahlt wird, hebelt sonst das gesetzlich verankerte Patentierungsverbot immer weiter aus“, warnt Christoph Then

Auch in anderen europäischen Ländern wie den Niederlanden und Frankreich beobachten die Regierungen die Rechtsprechung des EPA zu Pflanzen und Tieren kritisch. Die Organisationen von Keine Patente auf Saatgut! hoffen jetzt, dass die Politik sich endlich ihrer Verantwortung bewusst wird und das EPA in seine Schranken weist.

Keine Patente auf Saatgut! befürchtet, dass Patente die Marktkonzentration im Saatgutbereich weiter vorantreiben werden und die Grundlagen der Ernährung somit in die weitgehende Abhängigkeit von einigen wenigen internationalen Konzernen gelangen. Die Koalition Keine Patente auf Saatgut! wird unter vielen anderen Organisationen auch von der KLB und dem VKL unterstützt und setzt sich gegen die Patentierung von Pflanzen und Tieren ein.

Kontakt und weitere Informationen: info@no-patents-on-seeds.org

Das Dorf übernimmt den Generationenvertrag

150 Teilnehmer in Heiligkreuztal

Rund 150 engagierte Bürgerinnen und Bürger sowie Verantwortliche aus Kommunalpolitik und sozialen Einrichtungen trafen sich am 23. März im Kloster Heiligkreuztal zum Fachtag „Caring Communities – Auf dem Weg zu sorgenden Gemeinschaften“. Auf der Veranstaltung des K-Punkt ländlicher Raum der Diözese Rottenburg-Stuttgart diskutierten sie Modelle, wie mit mehr bürgerschaftlichem Engagement den Herausforderungen des demographischen Wandels begegnet werden könne, wobei der Geschäftsführer des VKL, Wolfgang Schleicher,  das Thema Finanzierung und Förderung näher beleuchtete.

„Es geht um die Zukunftsfähigkeit ländlicher Räume“ beschrieb Thomas Klie, Sozialexperte an der Evangelischen Hochschule Freiburg, die Aufgabe. Nicht alle Betreuungs- und Pflegeleistungen ließen sich als Dienstleistung organisieren. Der Ansatz der Caring Communities setze auf einen Mix aus bürgerschaftlichen und professionellen Angeboten. Klie kritisierte die niedrigen Löhne im Pflegebereich. Die Deutschen seien bisher nicht bereit, für haushaltsnahe Dienstleistungen einen angemessenen Preis zu bezahlen.

Kirche müsse sich offensiv in die Mitgestaltung des Sozialraumes hineinbegeben, bekräftigte Ordinariatsrat Dr. Joachim Drumm, Leiter der Hauptabteilung Kirche und Gesellschaft der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Kirche als Gemeinschaft von Gemeinschaften sei bei ihrer ureigenen Sache, wenn sie sich um das Zusammenleben der Menschen kümmere.

Manfred Lucha, Grüner Obmann im Sozialausschuss des baden-württembergischen Landtags, betonte die Gestaltungsspielräume, die sich aus dem neuen Wohn-, Teilhabe und Pflegegesetz in Baden-Württemberg ergäben. Damit hingen die Unterstützungsleistungen nicht mehr von der Wohnform ab. Neben seiner Schutzfunktion müsse der Staat in Zukunft viel stärker Menschen befähigen, ihr Leben selbstverantwortet zu gestalten.

Als praktische Beispiele präsentierten sich die Gemeinden Unlingen und Eichstetten, die mit Unterstützung der Beratungsorganisation SPES Zukunftsmodelle e.V. innovative Betreuungs- und Wohnformen für ältere Menschen geschaffen haben. In Eichstetten entstand ein Gebäude mit Pflegewohngruppe, einer Kernzeitbetreuung für Kinder und einem Tagescafé. „Das Dorf übernimmt den Generationenvertrag“, beschrieb Gerhard Kiechle, ehemaliger Bürgermeister von Eichstetten die Idee. „Wir müssen uns auf den Weg machen von einer Versorgungs- zu einer Mitwirkungsgesellschaft“ forderte der Kommunalpolitiker.

Ingrid Engelhard, Geschäftsführerin von SPES stellte klar, dass der einseitige Ausbau stationärer Versorgungseinrichtungen weder finanziell zu schultern sei, noch entspräche er den Wünschen der Menschen. Die Zukunft gehöre Modellen, die kleinräumig seien, Beteiligung ermöglichten und Kooperation unterstützen zwischen bürgerschaftlichen und professionellen Angeboten. SPES begleitet momentan 18 Gemeinden in Baden-Württemberg, die ihrer Bürgerschaft ein Altwerden in vertrauter Umgebung ermöglichen wollen. Ergänzend stellte Wolfgang Schleicher Fördermöglichkeiten für Projekte vor.

Neben den Vorträgen präsentierten sich zahlreiche Initiativen und Projekte auf einem Markt der Möglichkeiten. Unter der Federführung des K-Punkt ländlicher Raum im Kloster Heiligkreuztal, einer Einrichtung der Diözese Rottenburg-Stuttgart, wurde die Tagung von einer Vielzahl kirchlicher und kommunaler Einrichtungen und Verbände, darunter auch der VKL,  getragen. 25.03.15/Schwarz

 

Silberne Verdienstnadel für Ulrich Keilbach aus Oberkessach

Ulrich Keilbach ist erhielt am 28.02.2015 die silberne Verdienstnadel des VKL. Sie wurde ihm von Dekan Ingo Kuhbach beim Einkehrtag in Oberkessach überreicht.

Er ist Gründungsmitglied der örtlichen Landvolkgruppe und war von April 1999 bis Dezember 2010 Vorsitzender der Ortsgruppe Oberkessach. Dieses Amt bekleidete er bis zur Auflösung der Gruppe am 31.12.2010. Ulrich Keilbach war darüber hinaus Mitglied im Arbeitskreis „Soziale Fragen des Landes“ und über viele Jahre hinweg Ansprechpartner vor Ort für die Veranstaltung der Landvolkforen. Seit vielen Jahren – bis heute – organisiert er die Einkehrtage in Oberkessach und ist auch seit langem bei der Organisation der Marienwallfahrt in Oberkessach engagiert. Weil ihm auch die internationale Solidarität ein Anliegen ist, organisierte Ulrich Keilbach bis 2008 regelmäßig die jährliche „Aktion Minibrot“ des VKL. Mit der Auszeichnung dankt der VKL dem engagierten Landvolkmitglied für seinen langjährigen engagierten Einsatz für den Verband.

Josef Mittnacht ist gestorben

Mit Josef Mittnacht aus Lauda-Königshofen, ist der letzte noch lebende Gründer des Katholischen Landvolks am 28. März im Alter von 93 Jahren verstorben. Er war Pionier im Norden der Diözese. Josef Mittnacht war ein tiefgläubiger Mensch mit großem Gottvertrauen. Als Lehrer und späterer Rektor der örtlichen Grund- und Hauptschule war ihm die Wertevermittlung wichtig. Damit gab er jungen Menschen Orientierung mit auf den Weg. Für das Katholische Landvolk hielt er viele Vorträge in der Region und auch darüber hinaus zu Glaubens-, Lebens- und Erziehungsfragen. Er war ein gern gehörter Redner der Klartext redete. Im Dekanat Mergentheim und darüber hinaus übernahm er die Aufgabe des lokalen Pressereferenten für das Katholische Landvolk. Seine Artikel wurden gerne abgedruckt. Große Verdienste hat er sich auch bei den Wallfahrten des Katholisches Landvolks erworben: Unzählige Male leitete er den Mergentheimer Bus bei der Diözesanwallfahrt nach Flüeli, die jedes Jahr Ende Oktober stattfindet. Bei der Fußwallfahrt des Katholischen Landvolks im Sommer steuerte er das Begleitfahrzeug über viele Jahre hinweg. Sein großes Engagement für das Katholische Landvolk war nachhaltig. Noch heute gehört das Dekanat Mergentheim zu den aktivsten in der Diözese. Inzwischen fährt sein Sohn Franz seit vielen Jahren das Begleitfahrzeug mit derselben Zuverlässigkeit wie sein Vater bei der Fußwallfahrt des Katholischen Landvolks. Wir sind Josef Mittnacht zutiefst dankbar für sein vieljähriges und vielfältiges Engagement beim Katholischen Landvolk.