Ausgabe 05/2016

Ausgabe 05/2016

In dieser Ausgabe:

„Nach dem Krieg haben wir auch Flüchtlinge aufgenommen“

Wie Flüchtlinge im ländlichen Raum integriert werden können

Epfendorf liegt idyllisch im Landkreis Rottweil. Mit seinen insgesamt 3500 Einwohnern leben dort zusätzlich rund 40 Flüchtlinge. Und diese Menschen in der ländlichen Gemeinde zu integrieren, ist nicht leicht: Es ist ein Kommen und Gehen unterschiedlicher Nationalitäten,  die Lebensumstände in der Flüchtlingsunterkunft sind verständlicherweise bescheiden und sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeiten sind rar. „Da bleiben Probleme nicht aus,“ sagt der Vorsitzende des VKL und Epfendorfer Gemeinderatsmitglied, Johannes Sauter. In den Debatten, die im Gemeinderat geführt wurden, war zwischenzeitlich auch Ablehnung spürbar. „Dem wollten wir als Familie etwas entgegensetzen“, sagt der Landwirt und Lokalpolitiker. Inspiriert waren die Sauters nicht zuletzt auch durch den Aufruf des Papstes beim Angelusgebet im September 2015: Jede katholische Gemeinde, jede geistliche Gemeinschaft, jedes Kloster und jeder Zufluchtsort solle eine Familie aufnehmen, hatte Franziskus vor Zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz gesagt.

Und auf dem Hof der Sauters ist Platz. Die Kinder sind mittlerweile selbständig und es  gibt eine geräumige Einliegerwohnung, die einigen Menschen gute Lebensverhältnisse bieten kann. Die ganze Familie war dafür, hier Flüchtlinge einzuqartieren. Seine Eltern fühlten sich an die Nachkriegszeit erinnert: „Nach dem Krieg haben wir auch Flüchtlinge aufgenommen.“

Und so war die nächste Anlaufstelle das Landratsamt, welches für die Anschlussunterbringung der Flüchtlinge zuständig ist. Mit dessen Hilfe wurde einer Familie aus dem Kosovo mit einem Kind der Zuschlag für die Wohnung gegeben. Sowohl bei der Suche nach passenden Mietern, als auch beim Aufsetzen des Mietvertrages war das Landratsamt sehr hilfreich. „Das macht seine Sache gut“, sagt Johannes Sauter. Wer sich entschließe, Flüchtlingen zu helfen, werde auch gut unterstützt. So wurde der Mietvertrag mit den Mietern geschlossen und die Miete zahlt das Landratsamt.

Seit dem ersten November 2015, also seit fast einem Jahr lebt nun die kosovarische Familie auf dem Hof der Sauters in guter Nachbarschaft. In der Zwischenzeit ist das zweite Kind auf der Welt und das Verhältnis untereinander ist sehr gut. Wir laden uns gegenseitig zu unseren Festtagen ein. So war die kosovarische Familie an Weihnachten zu Gast bei den Sauters und die Sauters haben mit der muslimischen Familie das Fastenbrechen gefeiert. „Das war nicht nur schön, sondern auch sehr bereichernd“, sagt Johannes Sauter. Das eigene Engagement hat aber noch mehr zutage gefördert: Es gibt viele Menschen, die ganz einfach ihre Hilfe anbieten, ohne dass man es immer mitbekommt. Zum Beispiel für Sprachunterricht oder für sportliche Aktivitäten. Andere nehmen die Menschen sogar mit auf  ihre Ausflüge.

 

Die Familie aus dem Kosovo hat wenig Chancen auf einen Daueraufenthalt in Deutschland. Das ist einerseits schwierig, denn wirtschaftliche Perspektiven gibt es für sie dort kaum. Andererseits gibt es viele Menschen, die einen Antrag auf Asyl gestellt haben und auch in ihrem Land an Leib und Leben bedroht sind. Johannes Sauter glaubt, dass der Kompromiss, den die Politik hier finden muss auch in Ordnung ist. „Ich halte es für gut, dass jeder Fall geprüft wird, denn wir müssen den Menschen, deren Leben bedroht ist, auch den Vorrang geben. Und es ist einfach wichtig, dass wir es weiter schaffen, denjenigen, die bei uns bleiben, auch unsere Werte zu vermitteln“.  Wenn jeder bereit ist, einen auch noch so kleinen Beitrag zu leisten, dann schaffen wir das auch, ist Familie Sauter überzeugt. 

60 Wallfahrer des VKL gingen zu Fuß von Stetten ob Lontal nach Flüeli

„Ich habe den Pilgervirus“, so einer der rund 60 Teilnehmer der diesjährigen Fußwallfahrt des Verbandes Katholisches Landvolk (VKL) von Stetten ob Lontal nach Flüeli. Die Pilger haben sich am vergangenen Samstag nach einem feierlichen Entsendungsgottesdienst mit dem Heidenheimer Dekan Dr. Sven van Meegen auf den Weg gemacht. Die erste Etappe führt die Pilger nach Ailingen am Bodensee, wo sie am Donnerstag erwartet werden. Den weiten Weg zu Fuß zu gehen, ist eine echte körperliche Herausforderung, sind es doch immerhin rund 180 km bis Ailingen und weitere 180 km durch die Schweiz bis Flüeli. Dennoch haben viele der Teilnehmer die Fußwallfahrt fest in ihren Jahreskalender eingetragen, denn die tiefen Erlebnisse in der Natur, die Erfahrungen miteinander und auch Beschäftigung mit sich selbst wiegen alle Strapazen auf. „Das ist einfach unbeschreiblich“, so Max Gayer aus Demmingen, Initiator und Organisator der ersten Etappe der Tour, der sie seit rund 25 Jahren begleitet. Zu Pilgern sei einfach mehr, als eine große Wanderung. Der tägliche Start mit dem Morgenlob, die Gebete und Fürbitten, das Schweigen und die Gespräche unterwegs, bilden eine starke Gemeinschaft und stärkten die Gewissheit göttlicher Gegenwart. „Das muss man einfach erleben. Pilgern ist Beten mit dem Körper“, so Max Gayer.

 

Die Wallfahrten des VKL sowohl zu Fuß als auch per Bus, stellen Höhepunkte im Jahresprogramm dar. Die nächste Gelegenheit gibt es noch in diesem Jahr am 5.-6. November. 

 

Freundschaft geschlossen

Eine sehr intensive Zeit erleben die Gäste aus dem Partnerschaftsprojekt in Uganda beim Besuch in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Sie waren vom 07. bis 22. Juli in unserer Diözese zu Gast. Zahlreiche Mitglieder des VKL haben sich dabei als hervorragende Gastgeber erwiesen. Sie haben den Gästen Unterkunft geboten, sie bewirtet, sie bei Ihren Ausflügen begleitet und vieles mehr. Für alle war es damit eine sehr bereichernde Zeit.