Ausgabe06/2013

Ausgabe06/2013

In dieser Ausgabe:

VKL-Tagung zum Thema Finanzierungen mit Bürgerkapital stieß auf großes Interesse

Über 50 Teilnehmer aus Baden-Württemberg, darunter zahlreiche Bürgermeister, erlebten am Freitag, 11. Oktober eine inspirierende Tagung zum Thema „Finanzierungen mit Bürgerkapital“. Eingeladen hatte der Verband Katholisches Landvolk (VKL) zusammen mit sechs Kooperations­partnern, darunter die Diözese Rottenburg Stuttgart, die Akademie Ländlicher Raum Baden-Württemberg sowie die LEADER-Aktionsgruppe Oberschwaben. „Es ist beeindruckend, wie kreativ die vielfältigen Initiativen und Projekte im ländlichen Raum finanziert und realisiert werden“, sagte der der Geschäftsführer des VKL, Wolfgang Schleicher.

Einen strukturierten  Überblick über diverse Finanzierungsinstrumente und funktionierende Praxisbeispiele lieferte der baden-württembergische Pionier für bürgernahe Kommunal- und Regionalpolitik, Josef Bühler. Unser dem Motto „Erfolg ist was bleibt" konzipiert und realisiert Bühler Projekte für regionale Entwicklung. Voraussetzung für den Erfolg sei neben guter Planung auch Transparenz und Vertrauen, so Bühler. Daher biete der Ländliche Raum ein ideales Umfeld, denn man kenne sich und habe vor Augen, was in den Projekten passiere, erläuterte der Experte.

Ein altbewährtes und derzeit wieder aktuelles  Instrument um Projekte zu realisieren, ist die Gründung von Genossenschaften. Dem Leitsatz Raiffeisens „Was der Einzelne nicht vermag, das vermögen Viele“ folgend, gibt es Weltweit rund 800 Mio. Mitglieder, die an Genossenschaften beteiligt sind. In Baden-Württemberg gibt es rund 900 Genossenschaften mit knapp 4 Mio. Mitgliedern. Derzeit wächst ihre Zahl, insbesondere im Bereich der Energieerzeugung. Interessant ist die Rechtsform in vielen Bereichen, beispielsweise auch für Dorfläden oder gastronomische Einrichtungen.

Eine weitere Form breiter Beteiligung ist die Bürgerstiftung. Ein erfolgreiches Praxisbeispiel präsentierte Hermann Härle, Stiftungsvorsitzender in der Gemeinde Bugrieden im Landkreis Biberach. Die engagierten Bürger verfolgen das Ziel, die Lebensqualität vor Ort zu verbessern und unterstützen dazu beispielsweise Projekte zum Erhalt der Natur oder zur Förderung von Bildung, Kunst und Kultur. „Wir wollen, dass unsere Bürger und Wirtschaftsunternehmen mehr Mitverantwortung für die Gestaltung ihres Gemeinwesens übernehmen“, erläutert Härle. Derzeit plant die Bürgerstiftung ein Wohnprojekt für altersegerechtes Wohnen, in dem die Bewohner eigenverantwortlich leben und doch so viel Hilfe wie nötig erhalten.

Was passiert eigentlich, wenn auch der letzte Nahversorger (Metzger, Bäcker, Post und Bank ...) in einem Dorf oder einem kleinen Stadtteil seine Pforten schließt? Diese Frage beantwortete Jürgen Lauten zusammen mit einem Team mit der Planung eines innovativen DORV-Zentrums.  Es öffnet im November 2013 seine Pforten. Bürger erhalten hier ortsnah Lebensmittel des täglichen Bedarfs, die mit Dienstleistungen und bürgernahen sozialen Angeboten gekoppelt sind. Um die notwenigen Finanzmittel kümmert sich eine Finanzierungsgesellschaft über Bürgeranteile. Die hohe Zahl von Anteilseignern spricht für eine breite Akzeptanz vor Ort. „Die Rendite der Bürgernanteile ist die Grundversorgung im Dorf und somit die Steigerung der Lebensqualität,“ so Lauten.

Auch die Bürgeraktiengesellschaft ist eine erfolgversprechende Möglichkeit, um Finanzmittel für Projekte zur Verbesserung der Lebensqualität vor Ort zu beschaffen. Das beweist in der Praxis Gerhard Kiechle, der die Regionalwert AG, eine Bürgeraktiengesellschaft mit immerhin über zwei Millionen Euro Eigenkapital vorstellte. Die AG fördert innovative, ökologische und soziale Projekte in der Landwirtschaft. Die Aktionäre entscheiden mit darüber, was mit den gebundenen Namensaktien geschieht. Die  Partnerbetriebe verpflichten sich, neben den ökologischen, auch nachhaltige, soziale Kriterien wie Beschäftigungsstruktur, Entlohnung und Arbeitsplatzqualität zu gewährleisten. „Die Rendite ist dreifach: sozial, ökologisch und finanziell“, erläuterte Kiechle den Erfolg.

Eine weiteres Praxisbeispiel, welches auf der Tagung vorgestellt wurde, stammt aus Österreich. Der Verein „Mehr-Wert-Geld“ akquiriert zusammen mit Sparkassen und Raiffeisenbanken Bürgerkapital, welches zukunftsfähig und regional investiert wird. Die Zurverfügungstellung von Kapital ist auch eine Form der Bürgerbeteiligung.

„Die Kreativität, mit der die Menschen vor Ort Kapital generieren, um damit Projekte zu realisieren, welche die Lebensqualität vor Ort verbessern sollen, hat mich persönlich sehr beeindruckt“, sagt der Geschäftsführer des VKL Wolfgang Schleicher, nach der Tagung. Und weil es für die Akteure vor Ort äußerst hilfreich ist, sich über Projekte auszutauschen, voneinander zu lernen, gute Ideen und die Akteure kennen zu lernen, wird es sicherlich eine Fortsetzung geben, verspricht Schleicher. Erste Anfragen sind schon da.

Beitragseinzug im Januar

Ab dem 1. Februar 2014 gilt der einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum - SEPA. Alle Überweisungen und Lastschriften in Euro  sind dann nach europaweit einheitlichen Verfahren vorzunehmen. Da diese Umstellung für den VKL sehr arbeitsintensiv sein wird, werden die Beiträge für 2014 bereits im Januar eingezogen. Ab 2015 werden wir die Mitgliedsbeiträge jeweils im 1. Quartal einziehen. Sie brauchen nichts weiter zu veranlassen. Die vorliegenden Abbuchungsermächtigungen gelten weiterhin. Der VKL ist verpflichtet, die von der Bundesbank erhaltene Gläubiger-ID zu veröffentlichen. Sie lautet: DE77VKL00000135838.

 

Kreiserntedankfest auf dem Bussen: Festlich und gut besucht

Erntedank ist eine Haltung

Auch in diesem Jahr kamen die Besucher zahlreich zum alljährlichen Kreiserntedankfest  am 29. Oktober auf den Bussen. Unter dem Motto „Säen, wachsen, ernten, ruhen“ zeigte der Zelebrant des Festgottesdienstes, Pfarrer Albert Menrad in seiner Predigt auf, dass Erntedank eine Haltung gegenüber dem Schöpfer sei  und ein Mitwirken am Schöpfungsauftrag, den Gott den Menschen gegeben hab. Ausrichter des Erntedankfestes des Kreises Biberach ist die Landvolkgruppe Bussen des VKL und der Bauernverband Biberach-Sigmaringen. Mitgewirkt haben in der festlich mit Erntegaben geschmückten Kirche die Verantwortlichen des Bauernverbandes, der Kirchenchor Offingen und Sängerinnen der Mädchenkantorei Bad Saulgau.

Im Anschluss an den Gottesdienst wurden bei der Aktion Minibrot  600 Minibrote zu Gunsten der Partnerschaftsprojekte des VKL verkauft. Das Mehl hatte der Bauernverband Sigmaringen gestiftet. Fortgeführt wurde der Erntedanktag mit einem Vortrag von Egon Öhler, dem Leiter der Bauernschule Bad Waldsee, zum Thema: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“. Ein gemeinsames Mittagessen rundete den eindrucksvollen Erntedanktag ab.

Gebhard Heumos gestorben

Wer kennt Ihn nicht? Den begnadeten Musiker und außergewöhnlichen Menschen, Gebhard Heumos. Anfang Oktober ist Gebhard, der in seinem Leben vielen Menschen mit seiner Musik Freude gemacht hat, gestorben. Gebhard Heumos war über 40 Jahre lang Landvolkmitglied, davon 28 Jahre lang, von 1970 bis 1998, in Diözesanvorstand. Er war ein überaus interessierter und versierter Mensch. „Er war der Ruhige, der dann doch mit seiner Musik immer wieder im Mittelpunkt stand - auch wegen seiner ungewöhnlichen Instrumente“, erinnert sich Wolfgang Schleicher. Minimalgepäck für den weitegereisten Gebhard war Alphorn, Zither und Trompete. „Gebhards Handgepäck im Flugzeug zu verstauen, war immer wieder immer wieder eine Herausforderung, denn das Alphorn gab er nicht aus der Hand“, erinnert sich Wolfgang Schleicher. Das Bild zeigt Gebhard Heumos in Chile in einem Kloster der Schönstatt-Schwestern. Den chilenischen Kindern und den Schwestern steht die Begeisterung ins Gesicht geschrieben. Wir blicken dankbar zurück auf die vielen schönen Momente und Begegnungen. Danke Gebhard, mögest Du im Frieden Gottes sein.

15 Wanderer auf dem Weg der Besinnung

Unter dem Motto „Bsen de au!“ („Besinne dich!“) – erwanderten 15 Interessierte am 6. und 7. September auf Einladung des Verbandes Katholisches Landvolk den Weg der Besinnung und Einkehr auf der Ehinger Alb. Geführt wurden sie dabei von dem Kenner des örtlichen Biospährenreservats und Landvolkmitglied, Otto Rechtsteiner. Der Weg wurde 2011 als erster Wanderweg innerhalb des Biosphärendgebiets Schwäbische Alb als Qualitätsweg Wanderbares Deutschland zertifiziert.

Gestartet ist die Gruppe Freitagmittag am Landschulheim Jägerhof Ehingen oberhalb der Liebherrfabrik, wo die 600 Jahre alte Jägerhoflinde steht. Beeindruckend für die Teilnehmer waren die Tafeln am Wegesrand. Sie geben Zeugnis von herausragen­den Orten und regen dazu an, Altes und Gewohntes zu überdenken. So wurden die Wanderer beispielsweise auf ihrer zweiten Station, der Stoffelbergkapelle, zur inneren Rast eingeladen. Hier treffen sich mehrere Pilgerwege: Der Martinusweg der Diözese und der Oberschwäbische Pilgerweg.

Weiter ging die Tour zum östlichen Ortsbeginn Altstreußlingen mit Blick auf die alte Römerstraße. Der Weg führte dann durchs Briltal mit dem Maierbrünnle, einer historischen Röhrenwasserleitung, über den Briler Skihang, wo sich die Burgruine Altstreußlingen befindet. In Dächingen übernachtete ein Teil der Gruppe im Gasthaus. Kronenwirt Allfons Köhler hielt dort in seiner Funktion als Moderator für das Biosphärengebiet der Lokalen Agenda 21 Ehingen einen Kurzvortrag über das Gebiet und die Aktivitäten.

Den zweiten Tag begannen die nunmehr 7 Teilnehmer am Biosphärenzentrum der Ehinger Alb mit Informationen über das Biosphärengebiet und einer morgendlichen Meditation. Per PKW ging es dann nach Altstreußlingen, von wo aus die Wanderer die südliche Route des Besinnungsweges erkundeten. Von hier wanderte die Gruppe wieder Richtung Dächingen, wo eine Vesperpause zum Verweilen einlud.

Weiter ging es über die Feuchtbiotope bei Dächingen zum Aussichtspunkt ins Biosphärengebiet und auf die Lutherischen Berge, deren Name auf die Konfessionsgenze Evangelisch/Katholisch hinweist. Über den Bergrücken „Landgericht“ mit Ausblick Richtung Oberschwaben, Bussen und Donautal ging es zur Endstation Technikmuseum „Alte Säge“, einem liebevoll hergerichteten historischem Museum. Die Betreiber Irmgard und Karl Schöttle bewirteten die Gruppe dort mit Kaffee und Kuchen. Dieser Besuch bildete den Krönenden Abschluss der Wanderung.

Die Resonanz aller Teilnehmer war sehr positiv, so wird es möglicherweise eine Fortsetzung geben. „Das kann ich aber derzeit nicht versprechen“, sagt Otto Rechtsteiner.